Möwenbestimmung mit der BOA
18.01.2014: Praktischer Teil

Die Großmöwenbestimmung stand im Fokus dieses frühlingshaften Samstages. Alessandro Kormannshaus und Bernd Ratzke hatten eingeladen, die am Mittwoch bei der BOA-Veranstaltung erworbenen theoretischen Kenntnisse drei Tage später in der Praxis zu erproben. Noch waren die anspruchsvollen theoretischen Grundlagen, die Klemens Steiof sehr lebendig vermittelt hatte, frisch im Gedächtnis.
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Treffpunkt war 12:30 Uhr am Osthafen. Der Osthafen befindet sich in der Spree zwischen Oberbaumbrücke und Elsenbrücke. Das Nordufer sei trotz Gegenlicht die beste Wahl, wurde gesagt. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, jedenfalls für Spaziergänger. Für uns war es von Nachteil, dass die Sonne nahezu ununterbrochen schien. Highlights waren eine Mittelmeermöwe im 4. Kalenderjahr und eine vorjährige Steppenmöwe. Die von Bernd Ratzke notierten 19 Silbermöwen waren teilweise so individuell gezeichnet, dass die Experten nach verschiedenen Merkmalen abwägen mussten. Zusätzlich zu den Großmöwen kamen mindestens 51 Sturmmöwen und 217 Lachmöwen auf die Liste.

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Zuweilen gab es gar keine Möwen zu sehen. So schreckte zuerst ein Kanufahrer alle Möwen auf, später ein Habicht. Immerhin konnte das eine oder andere Merkmal fliegender Großmöwen hierbei erkannt werden. Die Bedingungen waren schwierig, aber man kam zumindest miteinander ins Gespräch.

Gegen 14 Uhr konnte, wer Lust hatte, noch mit einem der beiden Experten zur regulären Möwen-Schlafplatzzählung im Rahmen des DDA-Monitorings aufbrechen. Alessandro Kormannshaus fuhr zur Gatower Havel, um mit weiteren Interessenten den nördlich Schwanenwerder gelegenen Schlafplatz zu erfassen. Bernd Ratzke fuhr mit weiteren Teilnehmern zum Müggelsee. Am Steg Rübezahl wurde zunächst der Einflug der Möwen beobachtet. Dabei zeigte sich rasch, dass sich die Möwen diesmal weiter östlich zur Ruhe begeben würden. Ein Marsch zum Steg Müggelseeperle wurde notwendig. Dort angekommen war die Entfernung zu manchen Möwenansammlungen trotzdem zu groß für eine sichere Artbestimmung mit einem durchschnittlichen Spektiv. Um bei fortgeschrittener Dämmerung das absolute Highlight des Tages - eine vorjährige Heringsmöwe - erkennen zu können, brauchte man schon die beste Optik.

Zusammengefasste Ergebnisse der Schlafplatzzählung

Art Havel Müggelsee
Heringsmöwe   1
Mantelmöwe 3 4
Mittelmeermöwe 2 4
Steppenmöwe 3 36
Silber-/Mittelmeeer-/Steppenmöwe 6 442
Silbermöwe 63 127
Sturmmöwe mind. 200 ca. 1750
Lachmöwe mind. 650 ca. 4200

Die seltenen und weniger häufigen Arten wurden nach Möglichkeit zu Beginn der Dämmerung erfasst. Schon fast im Dunkeln gezählt wurden Sturmmöwen und Lachmöwen. Die mittlerweile 10jährige ununterbrochene Möwen-Schlafplatzzählung durch Alessandro Kormannshaus und Bernd Ratzke kann angesichts der Schwierigkeiten gar nicht hoch genug gewürdigt werden.